Gynäkologische Untersuchungen meistern - aber wie?
Teil 2: Tipps während der Untersuchung und Patient:innen Rechte
Eine gynäkologische Untersuchung kann Ängste auslösen. Wie du damit während der gynäkologischen Untersuchung umgehen kannst, wollen wir jetzt besprechen.
Im Teil 1 haben wir bereits über die idealen Ablauf einer gynäkologischen Untersuchung sowie eine mögliche Vorbereitung auf den Termin gesprochen. Das Wissen über den Ablauf einer Untersuchung sowie eine Vorbereitung von relevanten Fragen kann dir Sicherheit geben und den Termin für dich einfacher gestalten. Wenn du den Artikel noch nicht gelesen hast, lies ihn jetzt.
Wichtiges zuerst:
Es gibt verschiedene Entspannungstechniken, die dir während einer gynäkologischen Untersuchung helfen können.
Sprich mit deinem/deiner Gynäkolog:in über deine Ängste und Sorgen, damit er/sie darauf eingehen kann.
Du hast jederzeit das Recht, die Untersuchung zu unterbrechen oder abzubrechen!
Kommunikation während der Untersuchung
Eine gute Kommunikation zwischen dir und deinem/deiner Gynäkolog:in ist der Schlüssel für eine angenehme und erfolgreiche Untersuchung. Sie beginnt bereits im Vorgespräch, in dem du deine Beschwerden und Sorgen schildern und Fragen stellen kannst.
Während der Untersuchung selbst ist es wichtig, dass du weiterhin mitteilst, wie du dich fühlst. Teile deinem/deiner Gynäkolog:in mit, wenn du Schmerzen verspürst, du die Position verändern möchtest oder eine Pause benötigst.
Techniken zur Entspannung während der Untersuchung
Eine gynäkologische Untersuchung kann Ängste auslösen. Um deine Anspannung während der Untersuchung zu minimieren, ist es wichtig, ein paar Tipps zu kennen.
Was kann dir bei Ängsten während der gynäkologischen Untersuchung helfen?
Ängste ansprechen und Rückversicherung erhalten: Rede mit deinem:r Gynäkolog:in offen über deine Sorgen. Oft können kleine Anpassungen oder zusätzliche Erklärungen eine große Erleichterung bringen. Du könntest zum Beispiel sagen: „Ich bin nervös und habe Angst vor der Untersuchung. Für mich wäre es hilfreich, wenn Sie… (vor jedem Schritt genau erklären könnten, was Sie machen). Wäre das möglich?“
Entspannungstechniken anwenden: Nutze tiefes Atmen, progressive Muskelentspannung oder höre beruhigende Musik während der Untersuchung, um deinen Stress zu reduzieren. Du entscheidest, was du brauchst – alles ist möglich.
Aufmerksamkeit lenken: Konzentriere dich auf deine Umgebung, orientiere dich im Raum oder nimm bewusst einen Gegenstand wahr, um dich abzulenken.
Kommunikation während der Untersuchung: Bitte deinen Arzt oder deine Ärztin, jeden Schritt der Untersuchung anzukündigen. Du kannst auch selbst Wünsche äußern, z. B. „Bitte sagen Sie mir, was Sie als Nächstes machen.“
Eine Bezugsperson mitnehmen: Wenn nötig, bringe eine vertraute Person mit, die dich begleitet und während der Untersuchung unterstützt.
Wichtig: Denke daran, dass du jederzeit das Recht hast, deine Bedenken zu äußern, die Untersuchung zu unterbrechen oder anzupassen. Dein Wohlbefinden steht an erster Stelle!
Was tun bei Schmerzen während der Untersuchung?
Das ist eine Frage, die viele Patient:innen beschäftigt. Nachfolgend ein paar Tipps:
Schmerzen sofort ansprechen: Informiere die/den Ärzt:in direkt, wenn du Schmerzen verspürst. Du könntest sagen: „Das tut mir weh, können wir kurz anhalten? oder „Können Sie langsamer machen?“
Untersuchung pausieren: Bitte um eine Pause, wenn die Schmerzen zu stark sind. Du hast jederzeit das Recht, die Untersuchung kurz zu unterbrechen oder ganz abzubrechen.
Anpassung der Untersuchung: Frage, ob alternative Methoden möglich sind, z. B. die Verwendung eines kleineren Spekulums oder eine Untersuchung auf einer Liege statt im Stuhl.
Entspannungstechniken anwenden, um den Beckenboden zu entspannen: Atme tief und ruhig, um die Muskeln im Unterleib zu entspannen. Eine bewusste Entspannung kann helfen, den Beckenboden zu entspannen.
Nachbesprechung: Nach der Untersuchung solltest du deine Erfahrungen besprechen. Teile mit, was dir unangenehm war, damit zukünftige Untersuchungen angenehmer gestaltet werden können.
Da es so wichtig ist, sagen wir es nun erneut: Dein Wohlbefinden steht im Mittelpunkt. Es ist völlig in Ordnung, Bedenken zu äußern und die Untersuchung deinen Bedürfnissen anzupassen.
Wann und wie du einen Stopp signalisierst
Du hast jederzeit das Recht, eine gynäkologische Untersuchung zu unterbrechen oder abzubrechen, wenn sie dir unangenehm ist, du Schmerzen empfindest oder dich unwohl fühlst. Kommuniziere deinen Wunsch klar und direkt mit deinem:r Gynäkolog:in.
Du könntest sagen: „Ich brauche jetzt eine Pause.“ oder „Können wir bitte kurz aufhören?“
Zögere nicht, dein Stopp-Signal zu nutzen – das kann ein Wort, ein Handzeichen oder eine andere vorher vereinbarte Geste sein – auch wenn du dir unsicher bist. Diese könnte zum Beispiel im Vorgespräch vereinbart werden.
Es ist dein Körper und deine Entscheidung, was du zulassen möchtest. Eine respektvolle und professionelle Gynäkolog:in wird dein Signal ohne Diskussion akzeptieren und die Untersuchung anpassen oder abbrechen. Dein Wohlbefinden steht immer im Vordergrund.
Strategien zur Selbstbehauptung in der Praxis
Selbstbehauptung in der Arztpraxis bedeutet, deine Bedürfnisse und Grenzen klar zu kommunizieren und für deine Rechte als Patient:in einzustehen. Dies kann manchmal schwierig sein, insbesondere in einer für dich ungewohnten und intimen Situation wie der gynäkologischen Untersuchung. Hierbei hilft eine gute Vorbereitung und Wissen darüber, wie eine gynäkologische Untersuchung nach Ärzt:innen-Leitfaden ablaufen sollte (siehe Teil 1 für weitere Infos).
Denke daran: Du hast das Recht, nachzufragen, um Erklärungen zu bitten und deine Meinung zu äußern!
Deine Rechte als Patient:in kennen und durchsetzen
Als Patient:in hast du Rechte, die dir eine selbstbestimmte und respektvolle Behandlung garantieren. Zu deinen wichtigsten Rechten zählen das Recht auf freie Arztwahl, das Recht auf Aufklärung über die Behandlung, das Recht auf Einwilligung in die Behandlung sowie das Recht auf Einsicht in deine Patientenakte.
Tipps zum Finden einer Gynäkolog:in findest du am Ende des Artikels.
Sollten deine Rechte einmal nicht beachtet werden, scheue dich nicht davor, diese einzufordern!
Was kannst du von einer gynäkologischen Untersuchung erwarten?
Nach der gynäkologischen Untersuchung wird dein/e Gynäkolog:in die Ergebnisse mit dir besprechen und dir die weitere Vorgehensweise erläutern. Hierfür kannst du einen schriftlichen Bericht über die Untersuchungsergebnisse einfordern.
Sollten Auffälligkeiten festgestellt worden sein, wird dein/e Gynäkolog:in weitere Untersuchungen einleiten, um die Diagnose zu sichern und eine geeignete Therapie einzuleiten. Dies können beispielsweise Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen oder eine Überweisung zu einem/einer Facharzt/Fachärztin sein.
Es ist wichtig, dass du die Ergebnisse der Untersuchung verstehst und alle deine Fragen beantwortet bekommst. Zögere nicht, deinen/deine Gynäkolog:in nach der Bedeutung der Befunde und den nächsten Schritten zu fragen und hierfür Zeit einzufordern!
Wie du die richtige Gynäkologin für dich findest?
Die Wahl der richtigen Gynäkolog:in erfordert, sich über deren Fachwissen, Erfahrung und Herangehensweise zu informieren. Hole dir Empfehlungen, lies Bewertungen und achte auf Faktoren wie die Nähe zur Praxis und den Kommunikationsstil. Eine Liste von Gynäkolog:innen findest du zum Beispiel unter: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aerzte/suche.html
Solltest du eine gynäkologische Grunderkrankung haben, wie z. B. Endometriose, Vulvodynie oder Lichen Sclerosus, kann es hilfreich sein, Betroffenennetzwerke beizutreten und die Behandler:innen-Empfehlungen dort zu lesen, um so eine geeignete Gynäkolog:in auszuwählen.
Endometriose Vereinigung Deutschland e.V.: https://www.endometriose-vereinigung.de/spezialisierte-behandlung/
Vulvodynie Netzwerk: https://www.vulvodynie-deutschland.de/home
Lichen Sclerosus Deutschland e.V.: https://www.lichensclerosus.de/home
Die gynäkologische Untersuchung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für Personen mit Uterus, Vagina und Vulva. Mit der richtigen Vorbereitung und einer offenen Kommunikation mit deinem/deiner Gynäkolog:in kannst du dazu beitragen, dass die Untersuchung für dich so angenehm wie möglich verläuft. Zögere nicht, deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu kommunizieren und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du diese benötigst!
Quellen:
Schumann-Doermer, C., & Gras, C. (2023). Leitfaden für die gynäkologische Untersuchung (Version 2/2023). Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Verfügbar unter https://dgpfg.de/wp-content/uploads/2024/01/Leitfaden-Gyn.Untersuchung_Version_2_2023-download.pdf