Die gynäkologische Untersuchung ist für dich ein Alptraum?

Teil 1: Ablauf und Vorbereitung

Die gynäkologische Untersuchung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für Menschen mit Uterus, Vagina und Vulva und kann oft mit Ängsten und Sorgen einhergehen. Wie du damit umgehen kannst, erfährst du jetzt.

Wichtiges zuerst:

  • Viele Menschen empfinden die gynäkologische Untersuchung als unangenehm oder haben sogar Angst davor.

  • Eine gute Vorbereitung kann die Untersuchung für dich angenehmer gestalten!


Gynäkologische Untersuchung?

Die gynäkologische Untersuchung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge für Menschen mit Uterus, Vagina und Vulva. Sie dient dazu, gynäkologische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen zählen Entzündungen, Myome (=gutartige Wucherungen der Muskelschicht der Gebärmutter), Endometriose, sexuelle Probleme und Krebserkrankungen. In der Regelversorgung geht es jedoch häufig um Beschwerden wie Infektionen, Zyklusstörungen, hormonelle Probleme, Verhütung sowie die Betreuung in der Schwangerschaft.

Obwohl die Untersuchung wichtig ist, empfinden sie viele Personen als unangenehm oder haben sogar Angst davor. Die Gründe dafür sind vielfältig: Manche Personen haben negative Erfahrungen gemacht oder Angst vor Schmerzen. Es ist wichtig zu wissen, dass du mit diesen Ängsten nicht allein bist und es Möglichkeiten gibt, die Untersuchung für dich angenehmer zu gestalten.

Wie sollte eine gynäkologische Untersuchung eigentlich aussehen?

Eine gynäkologische Untersuchung sollte immer einfühlsam und respektvoll durchgeführt werden. Dein/e Gynäkolog:in sollte dir alle Schritte vor und während der Untersuchung genau erklären und sich Zeit für deine Fragen nehmen.

Der ideale Ablauf einer gynäkologischen Untersuchung entsprechend eines Leitfaden für Ärzt:innen

Die gynäkoglogische Untersuchung sollte sich in folgende Schritte gliedern:

  1. Gespräch vor der Untersuchung: Es wird ein „informed consent“ eingeholt. Der Arzt oder die Ärztin erklärt, was gemacht wird und warum.- Patient:innen können ihre Beschwerden und Fragen schildern. Vorbehalte, Ängste oder besondere Wünsche werden besprochen.

  2. Vorbereitung: Die Patient:in entkleidet sich nur so weit, wie es für die Untersuchung nötig ist. Es sollte ein komfortabler Zugang zur Umkleidemöglichkeit und zum Untersuchungsstuhl geboten werden.

  3. Untersuchung des äußeren Genitalbereichs: Der äußere Bereich der Vulva wird auf Auffälligkeiten, wie Hautveränderungen oder Entzündungen, geprüft.

  4. Spekulumeinstellung: Ein Spekulum wird vorsichtig in die Vagina eingeführt, um den Gebärmutterhals und die Vaginalschleimhaut zu betrachten. Abstriche (z. B. für den PAP-Test) können entnommen werden.

  5. Bimanuelle Untersuchung: Der Arzt oder die Ärztin tastet die Gebärmutter und die Eierstöcke ab, indem ein Finger in die Vagina eingeführt wird und gleichzeitig die andere Hand den Unterbauch abtastet.- Dies dient dazu, die Größe, Lage und mögliche Veränderungen der Organe zu prüfen.

  6. Eventuelle Zusatzuntersuchungen: Ultraschalluntersuchungen (vaginal oder abdominal) können durchgeführt werden, um die inneren Organe genauer zu betrachten.

    • Ein vaginaler Ultraschall erfolgt durch das Einführen einer Sonde in die Vagina, um die inneren Organe wie Gebärmutter und Eierstöcke aus nächster Nähe und mit hoher Detailgenauigkeit zu betrachten.

    • Ein abdominale Ultraschall wird von außen über die Bauchdecke durchgeführt und eignet sich, um größere Bereiche zu betrachten oder bei bestimmten Umständen (z. B. Schwangerschaft) einen Überblick zu gewinnen.

  7. Gespräch nach der Untersuchung: Die Befunde werden erklärt, Fragen geklärt und ggf. Behandlungsmöglichkeiten besprochen.

Jeder Schritt sollte angekündigt werden und auf die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen eingehen, um den Ablauf so angenehm wie möglich zu gestalten.

Deutsche Leitlinien für die Behandlung von Themen in der Gynäkologie der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) findest du unter: https://www.awmf.org/fachgesellschaften/deutsche-gesellschaft-fuer-gynaekologie-und-geburtshilfe-e-v-dggg

Aspekte, die oft schief laufen

Leider erleben viele Personen die gynäkologische Untersuchung als unangenehm oder sogar traumatisierend. Gründe dafür können unter anderem mangelnde Aufklärung, fehlende Empathie seitens des Arztes/der Ärztin oder negative sexuelle Erfahrungen in der Vergangenheit sein.

Angst und Scham können dazu führen, dass Personen den Besuch beim/bei der Gynäkolog:in so lange wie möglich hinauszögern, was wiederum das Risiko für unentdeckte Erkrankungen erhöht. Es ist daher besonders wichtig, dass Ärzt:innen sensibel auf die Bedürfnisse ihrer Patient:innen eingehen und eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen.

Offene Kommunikation, einfühlsame Berührungen und die Bereitschaft, auf individuelle Ängste einzugehen, können dazu beitragen, dass die Untersuchung für die Patient:innen so angenehm wie möglich verläuft.

Wie kannst du dich vorbereiten?

Bereite dich auf eine gynäkologische Untersuchung vor, indem du deine Ziele und Fragen im Voraus formulierst und ein Symptomtagebuch führst. Wie das geht erfährst du jetzt.

Schriftliche Vorbereitung: Was sind deine Ziele und Fragen für die Untersuchung?

Oftmals bleibt während der gynäkologischen Untersuchung nur wenig Zeit, daher ist es sinnvoll, sich vorher Gedanken über deine Anliegen und Fragen zu machen. Scheue dich nicht, einen Zettel oder eine Notiz auf deinem Handy mitzunehmen, um deine Punkte während des Gesprächs mit der/dem Ärzt:in durchzugehen.

Hier sind fünf Fragen, die dir bei der Vorbereitung helfen können:

  • Ist es normal, dass ich [dein spezifisches Symptom] habe, oder sollte ich mir Sorgen machen? (Hilft, Unsicherheiten zu klären.)

  • Welche Untersuchungen sind heute notwendig, und was wird dabei gemacht? (Ermöglicht, den Ablauf besser zu verstehen.)

  • Welche Möglichkeiten gibt es meine Beschwerden wie [z. B. Schmerzen, Zyklusstörungen] zu behandeln oder lindern?(Unterstützt dich dabei, praktische Tipps zu erhalten.)

  • Gibt es gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen, die ich beachten sollte? (Stellt sicher, dass nichts Wichtiges übersehen wird.)

  • Gibt es etwas, das ich mir von meiner:m Ärzt:in wünsche, dass die Untersuchung für mich angenehmer machen würde? (Zeigt, dass du aktiv um dein Wohlbefinden sorgst.)

Mit diesen Fragen kannst du das Gespräch strukturieren und sicherstellen, dass alle für dich wichtigen Punkte angesprochen werden.

Symptomtagebuch: Beobachte deine Sympome

Ein Symptomtagebuch hilft dir, Beschwerden und Veränderungen gezielt zu beobachten, insbesondere zu Symptomen, die sich auf Schmerzen, die Sexualität oder auch die Blasenfunktion beziehen, und die du während der gynäkologischen Untersuchung schildern möchtest

Anleitung zum Führen eines Symptomtagebuchs:

  • Tägliche Einträge: Notiere Symptome regelmäßig, idealerweise täglich.

  • Details zu den Beschwerden: Beschreibe den Ort, die Art (z. B. Schmerzen, Druckgefühl, Brennen), die Intensität (leicht, mittel, stark) und die Dauer.

  • Zeitpunkt und Auslöser: Schreibe auf, wann die Symptome auftreten (z. B. morgens, nach Anstrengung) und ob bestimmte Auslöser (z. B. Bewegung, bestimmte Getränke) erkennbar sind.

  • Zyklusbezug: Notiere, ob die Symptome in Verbindung mit deinem Menstruationszyklus auftreten oder variieren. Hierbei können dir auch digitale Tools wie Symptom-Tracker helfen. Viele der Tools haben die Möglichkeit einen PDF-Report zu erstellen (z.B. Flo, Clue, Apple Health), den du dann zu deiner/deinem Ärzt:in mitbringen könntest.

  • Blasenfunktion: Dokumentiere Häufigkeit, Dringlichkeit, Schmerzen beim Wasserlassen oder ungewollten Urinverlust.

Fragen, die dich dabei unterstützen können:

  • Wann haben die Symptome begonnen, und wie haben sie sich verändert?

  • Treten die Beschwerden regelmäßig auf (z. B. monatlich, täglich)?

  • Gibt es bestimmte Auslöser oder Momente, in denen sie schlimmer werden?

    • Treten die Symptome in Verbindung mit anderen Beschwerden auf (z. B. Unterleibsschmerzen, Zyklusbeschwerden)?

    • Tritt beim Wasserlassen ein Brennen, Schmerzen oder ein verstärkter Harndrang auf?

    • Hast du Probleme mit ungewolltem Urinverlust oder Schwierigkeiten, die Blase zu entleeren?

  • Beeinträchtigen die Symptome deinen Alltag (z. B. Arbeit, Schlaf, Sexualleben)?

  • Hast du bereits etwas ausprobiert, um die Beschwerden zu lindern, und hat es geholfen?

Mit diesen Fragen, bist du für deinen nächsten Gynäkologie-Termin bestmöglich vorbereitet!


Jetzt weißt du, wie der ideale Ablauf einer gynäkologischen Untersuchung sein sollte und wie du dich selbst auf einen Termin vorbereiten kannst. Im nächsten Teil verraten wir dir hilfreiche Tipps, worauf es während der Untersuchung ankommt.


Quellen:

Schumann-Doermer, C., & Gras, C. (2023). Leitfaden für die gynäkologische Untersuchung (Version 2/2023). Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Verfügbar unter https://dgpfg.de/wp-content/uploads/2024/01/Leitfaden-Gyn.Untersuchung_Version_2_2023-download.pdf


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Gynäkologische Untersuchungen meistern - aber wie?

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Gut fühlen beim Sex - wie?